Zum Glück aufgespießt

Die Zeitungen sind eine ergiebige Quelle des Unsinns. Die sprachliche Abbildung etwas komplexerer Vorgänge und Handlungsmodi gerät aus den Fugen und wird so zum unwillkürlichen Kalauer.

Hier ein schönes Exemplar aus einem Wiener Boulevard-Blatt:

Insgesamt wurden bei dem Unfall sieben Personen leicht verletzt. Wobei es bei dem Fahrer des roten Lastwagens an ein Wunder grenzt, dass er sich noch rechtzeitig ducken konnte, eher (sic) er in dem Führerhaus von den Eisenstreben aufgespießt wurde.


Schwacher Trost, sich schnell noch ducken zu können, bevor man aufgespießt wird, oder? Was einen da in die Irre führt, ist der Modus des Verbs. Es steht im Indikativ („aufgespießt wurde“) und suggeriert damit ein reales Geschehen. Um den nicht-realen Charakter des Vorgangs zu signalisieren, hätte man schreiben sollen:

... ehe er in dem Führerhaus von den Eisenstreben aufgespießt worden wäre.


Adieu Konjunktiv, das Leben ist auch so schon kompliziert genug.

(Quelle: „Österreich“ vom 1.12.2009)

Von Anna Fuhrmann am 01. Dezember 2009, 10:27 Uhr veröffentlicht | 464 mal gelesen
Themen: Gekleckse | Text

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