

Kaum eine kommerzielle Webseite verzichtet auf das Versprechen, die Bedürfnisse herbeigesehnter Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Das liest sich meist so oder ähnlich:
„Wir richten uns nach den Bedürfnissen unserer Kunden“
oder gar so
„Wir werden den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden gerecht.“
Warum diese heftige Abneigung? Warum fühle ich, dass ich mit meinen Bedürfnissen bitteschön alleine gelassen werden will, weil sie privat sind?
Genau hier liegt der Hund begraben. Ein Bedürfnis ist nicht mehr als eine persönliche Empfindung, das Spüren eines Mangels. Es ist ein vorökonomisches Problem, das erst dann für die Welt von Angebot und Nachfrage reif ist, wenn es konkrete Gestalt in Form eines marktfähigen Bedarfs annimmt.
Bedürfnis und Bedarf sind verwandte Begriffe, wohl deswegen kommen sie sich in die Quere im allgemeinen Sprachgebrauch. Synonym, beliebig füreinander einsetzbar sind sie aber nicht. Es ist der den gefühlten Bedürfnissen entsprungene Bedarf, der durch treffende Angebote gedeckt werden kann. Dass sich dabei auch die Bedürfnisse des Kunden in Wohlgefallen auflösen, ist ein netter und ja: auch beabsichtigter Nebeneffekt.
Es war mir ein Bedürfnis, Obiges von der Seele zu schreiben ... und wenn ich damit manche Bedürfnisbefriedigungsvorhaben verhindern konnte, dann ist mein heutiger Bedarf voll gedeckt.
Von Anna Fuhrmann am 19. Juni 2009, 09:37 Uhr veröffentlicht | 431 mal gelesen
Thema: Text
