Wie wenig darf man sagen?

Wie viel Information darf fehlen, damit man noch verstanden wird? Sehr viel, mehr als man gemeinhin denkt. Wird aber das Falsche verschwiegen, läuft die Interpretationsmaschinerie unrund, der Inhalt mutet plötzlich surreal an.

Folgende Kurzmeldung in der Zeitung „Heute“ vom 17. Februar lässt mich kurz stocken im Lesefluss:

„Weil Jugendliche bis 19 gratis in Bundesmuseen dürfen, kommen weniger Schüler in das Haus des Meeres in Mariahilf.“


Aha. Das ist für mich so sinnvoll wie etwa:

Weil Hasen lange Ohren haben, schmecken Kaninchen am besten mit Preiselbeeren.


Zwei Aussagen also, die kausal verbunden sind („weil X, darum Y“). Während ich beim zweiten Morgenkaffee meine Sinne sortiere, suche ich nach dem fehlenden Glied in der Kausalitätskette. Jugendliche dürfen also umsonst in die Bundesmuseen. Sie dürfen - aber tun sie es auch? Na gut, gehen wir mal davon aus, dass sie es tun, auch wenn es im Satz nicht explizit steht. Der Rest ist Phantasie: da Jugendliche Schülern gegenüber etwas raubeinig sein könnten, meiden diese das Museum. Leuchtet es ein? Nicht wirklich.

Alleine schon aus folgendem Grund nicht: Schüler sind teilweise auch Jugendliche und umgekehrt. Die sprachliche Kategorisierung von Menschen jenseits des Erwachsenenalters ist von Haus aus etwas schwammig, willkürlich und zweckgebunden. So, und nun: Wer geht in welches Museum und warum (nicht)? Ob die Webseite des „Haus des Meeres“ die erwünschte Erhellung liefert?

Dort sind Schüler und Studenten über 15 sowie Kinder zwischen 6 und 15 Jahren angeführt, von Jugendlichen ist gar nicht die Rede. Das ist zwar ein wenig inkonsequent, zumal Kinder zwischen 6 und 15 in unseren Breiten normalerweise Schüler sind, aber der Zweck heiligt die Mittel und die Altersangaben sind präzise.

Die Preisliste liefert das fehlende Glied der Kausalkette: Im Haus der Meeres müssen auch junge Menschen Eintritt zahlen. Daraus folgt: Das Haus des Meeres ist wohl kein Bundesmuseum. Diese beiden Wissensbrocken gehören nicht zum Alltagswissen, der Schreiber der kleinen Nachricht setzte sie dennoch als allgemein bekannt voraus.

Damit hat er der Leserschaft keinen großen Dienst erwiesen. Nur mir hat er die Paar Minuten Amüsement geschenkt, das mir das kurze Nachdenken über sprachlichen Sinn und Unsinn bereitet.

Foto: Knipsermann/www.pixelio.de

Von Anna Fuhrmann am 18. Februar 2010, 11:38 Uhr veröffentlicht | 522 mal gelesen
Thema: Text

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