

Liefern Sie Content! Das scheint das Gebot der Stunde zu sein, und diese Stunde will nicht vorbeigehen. Eine ganze Web-Industrie versorgt diese totale Content-Enthemmung mit entsprechender Software, die einem vorgaukelt: Du kannst, wenn du nur willst, und wollen, das musst du einfach. Wir schaffen Platz dafür mit Blogs und Content Management Systemen.
Blogs werden immer öfter auch als Beigabe zur eigenen kommerziellen Webpräsenz gewünscht. Sind sie einmal implementiert, hat der derart Beglückte oft seine liebe Not damit - mangels Themen, Schreiblust und nicht zuletzt: Schreibfertigkeit.
Dazu kommen Content Management Systeme, die suggerieren, dass Webseiten, chronisch Kranken ähnlich, ständig pflegebedürftig sind und nur durch fortlaufende Gaben der Medizin namens Aktualität überleben können. Besonders beliebt sind die „News“, die per Content Management als brandheiße Neuigkeiten direkt auf die Startseite gehievt werden. Da erfährt man über den kürzlich erfolgreich bewältigten Umzug der Firma, oder über die letzte Fachmesse, an der sie teilgenommen hat (oder auch nicht). Hat die Welt darauf gewartet?
Wer sich nicht einmal so etwas abnötigen kann, bringt Nachrichten aus der eigenen Branche, die die Konkurrenz etwa gleichzeitig von der Presse abgeschrieben und auf der eigenen Webseite, im eigenen Blog, oder News-Bereich veröffentlicht hat. Wen vermag so etwas hinter dem Sofa hervorzulocken?
Angeblich ist es die besondere Spezies namens „wiederkehrender Seitenbesucher“, die auf der Jagd nach derartigen Aktualitäten ist. Es gibt in der Tat Seitenbesucher, die wiederkehren, ja. Aber ob diese Art Nachrichten sie wirklich entzücken, und ob sie in der Folge als Maßnahme zur Kundenbindung wirklich geeignet sind, das darf man bezweifeln. Dass Erstbesucher wiederum vom eigentlichen Angebot des Unternehmens wegen lauter News nichts erfahren, das ist die andere Seite der Medaille, die so manchen entgeht.
Von Anna Fuhrmann am 19. Juli 2009, 11:43 Uhr veröffentlicht | 414 mal gelesen
Thema: Text
