Fehler sind menschlich

Ein Blog, das sich als Zeitung im Internet definiert, verkündete unlängst ohne Umschweife: „Und wenn dieser Text nur so strotzt vor Fehlern - das ist schiere Absicht und menschlich...“ Der Satz wurde inzwischen entfernt, da ich ihn gut wahrnehmbar angebellt habe - aus dem Grund erübrigt sich eine Quellenangabe. Die Aussage zeugt dennoch von einer Mentalität, die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

Fehler sind menschlich, ja. Aber am Wort „Fehler“ hängt untrennbar die Konnotation, dass Fehler nicht bewusst produziert werden. Eher unterlaufen sie einem und sind als unbeabsichtigte Zufallsprodukte verzeihlich. Mit schierer Absicht laufend Fehler zu produzieren, was ist das für eine seltsame Bekenntnis?

Die Produzierenden sind enthemmt. Sie stehen auf keiner Bühne, sie müssen niemandem in die Augen blicken, während sie verkünden, stolz auf ihr banausenhaftes Vorgehen zu sein. Ob sie es in einem Bewerbungsschreiben auch so halten würden? Sicher nein. Aber im Sandkasten namens Internet sinkt die Schamgrenze bis hinunter in einen nicht wahrnehmbaren Bereich. Oder anders gesagt: es gibt keine.

Die Konsumenten sind anonym, und ihnen wird im Web eine ganze Menge zugemutet. Da könnte man meinen: warum nicht, es besteht kein Konsumzwang. Aber so einfach ist es nicht. Denn die Leserschaft ist zunehmend nicht mehr in der Lage, zwischen qualitativ halbwegs guter Sprache und Sprachschrott zu unterscheiden - ein Selektionskriterium steht nicht mehr wirklich zur Verfügung, seitdem zunehmend keine Bücher gelesen werden. Und so schließt sich der Kreis: keiner erwartet Qualität, also wozu sie anstreben.

Von Anna Fuhrmann am 26. August 2009, 12:17 Uhr veröffentlicht | 387 mal gelesen
Zuletzt bearbeitet am 26. August 2009, 12:34 Uhr
Thema: Text

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