

Als das Wetter so richtig quälend heiß wurde, stellte ich alle produktiven Tätigkeiten ein und starrte auf die Webseite der Zentralanstalt für Meteorologie, die das bevorstehende Unwetter in blumigen Worten und mit bunten Grafiken verkündete.
Dort las ich die vorsorglichen Worte eines Meteorologen, die mich mit ihrem unbeabsichtigten Wortwitz heiter stimmten:
Welch ein dunkles Raunen! Normalerweise liest man über so einen Satz einfach nur hinweg und erfasst den Sinn so ungefähr, sozusagen am Vorbeilesen. Eine überaktive sprachliche Antenne lässt sich auch hitzebedingt nicht abstellen, und so stolperte ich über dieses Prachtstück aus dem Phrasenschatz der Anstalt. Denn auch in einem adjektivlosen schlichten Zustand wie
hätte ich womöglich gemurmelt: „Warum soll ich sie bedenken, wenn ich sie eigentlich vermeiden sollte?“ Die erste Erweiterung
fügt der seltsamen Warnung einen zusätzlichen logischen Stolperstein hinzu. Denn Risiken, die unvermeidbar sind, sind eher unmittelbare Gefahren und nicht mehr nur Risiken, die man meiden könnte. Zu bedenken gibt es da gar nichts mehr. Als hätte die Person genau diesen Widerspruch selbst geahnt, fügte sie eine weitere Ausschmückung hinzu:
Nehme ich diese Person ernst, begebe ich mich in einen Prozess des angestrengten Bedenkens betreffend Risiken, die unvermeidbar und somit keine Risiken sind, es sei denn, sie entpuppen sich als nur scheinbar unvermeidbar.
Das neckische „möglicherweise“ spendet nämlich einen Hoffnungsschimmer. Es deutet an, dass man dieser Unvermeidbarkeit entkommen kann. Wie das allerdings genauer vor sich gehen soll, erfahren wir nicht. Offenbar sind Risiken, so wie das Wetter selbst, in der Hand höherer Mächte, die über uns verfügen und uns zum untätigen Bedenken verdammen.
Bis das Gewitter möglicherweise unvermeidbar wirklich kommt ...
Von Anna Fuhrmann am 20. Juli 2010, 11:46 Uhr veröffentlicht | 453 mal gelesen
Zuletzt bearbeitet am 21. Juli 2010, 16:35 Uhr
Thema: Text
