

Was für ein Unsinn...
Bilder sagen nicht mehr als tausend Worte, sondern etwas ganz anderes. Warum diese heftige Abneigung gegen diesen so oft zitierten Spruch? Nicht weil er vollkommen Abwegiges behauptet, sondern weil er an falscher Stelle und für falsche Zwecke verwendet wird.
Der Spruch dient als Feigenblatt für die Unfähigkeit, sich in Worten auszudrücken in einem Kontext, in dem Worte nicht ersetzbar sind: bei kommerziellen Unternehmesauftritten im Internet.
Laut Wikipedia führt die Suche nach der ersten schriftlichen Spur des Spruchs zu einer Werbezeitschrift in England. 1921 wollte man mit „One Look is Worth A Thousand Words“ dazu ermuntern, bei der Werbung in Straßenbahnen Bilder zu verwenden. Ein sinnvolles Anliegen - wer will schon in einer sich damals wohl ruckelnd-zuckelnd vorwärtsbewegenden Straßenbahn die Augen anstrengen. Damit der Spruch einen möglichst tiefen Eindruck macht, streute sein Erfinder das Gerücht, es handele sich dabei um eine alte chinesische Weisheit.
Aber Werbung ist eine Sache, Unternehmensauftritte eine andere. Werbung will und soll Emotionen ansprechen, der Informationsgehalt etwaigen Textes darf auch minimal bleiben. Eine Webseite hingegen hat handfeste Informationen zu vermitteln, sie wirkt vor allem an den Verstand und wirbt so für Produkte, Leistungen und den Betreiber der Seiten. Dass dabei durch Bilder und eine die Augen schmeichelnde Aufmachung auch an Gefühle appelliert wird, ist nicht nur verständlich, sondern auch notwendig.
Eine passende Ästhetik begleitet Worte, kann sie jedoch niemals ersetzen.
Von Anna Fuhrmann am 10. März 2009, 18:29 Uhr veröffentlicht | 317 mal gelesen
Thema: Text
