Der 11. September und die Medien

Was das Drama um die Twin Towers in unserem Blog verloren hat? Nun, ohne Medien hätte sich das Ereignis wohl nie so um die Welt verbreitet. Und damit meine ich nicht nur die Bilder und Fakten, sondern auch die unzähligen Märchen und Halbwahrheiten, die unsere Sensationsgier offensichtlich teilweise mehr beeindrucken, als nüchterne Recherchen.

Und genau hier liegt das Problem: Als Werbende sind wir nicht die einzigen, die sich bewusst darüber sind, wie man mit gezielten Informationen Menschen beeinflussen und zu einer vorbestimmten Meinung treiben kann. TV-Sender und Zeitschriften sind sich dieses Umstands ebenso bewusst und es wäre fatal, zu glauben, dass sie dieses Wissen nicht zur Steigerung ihrer Einschaltquoten oder Auflagen missbrauchen würden.

Am 11. September findet sich quasi zu jeder Zeit auf irgendeinem Kanal eine Reportage über das Attentat auf die Zwillingstürme. Die meisten haben mit seriösem Journalismus jedoch wenig zu tun. Da werden willkürlich Interview-Ausschnitte zu einem Zerrbild zusammengestückelt um dem Zuschauer im billigsten Fall bei seiner Sensationslust zu packen. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter und behaupte, dass die meisten dieser Pseudo-Reportagen bewusst eine vordefinierte Meinung transportieren sollen.

Einige machen das auf die völlig plumpe Methode, indem sie konstruierte Beweise für ihre Ansicht anführen und die Beweisliste möglichst lang machen. Andere gehen da schon geschickter vor und präsentieren einfach eine Materialsammlung, die die vorbestimmte Meinung unterschwellig transportiert.

Was in der Werbung noch legitim ist (schließlich ist jeder von seinem Produkt überzeugt und möchte auch die potentielle Kundschaft überzeugen), kann bei Journalismus jedoch nicht rechtens sein. Eine Reportage oder eine Nachrichtensendung sollte sich auf reine Fakten beschränken und kein Stimmungsbild unterstützen, sonst hat sie ihren Wert verloren oder bekommt im Ernstfall sogar einen gefährdenden Charakter.

Selbst Michael Moore, der mit Fahrenheit 9/11 große Aufmerksamkeit auf sich zog, geht in seinem Film deutlich zu weit. Mir wäre es wesentlich lieber gewesen, wenn er sich auf die von ihm ermittelten Fakten beschränkt hätte, anstatt den Zuschauer mit einem Haufen geschickter Fragen zu beeinflussen. Die letztendliche Meinungsbildung sollte dem Zuschauer vorbehalten sein und nicht durch den Reporter vorweg genommen werden.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema befassen will, dem kann ich nur raten, den Fernseher auszuschalten und sich stattdessen zum Beispiel die Bücher von Bob Woodward (Bush at War, Teil I bis IV) vorzunehmen. Das ist zwar ziemlich viel Stoff mit einer großen Menge grauer Politik, doch stecken da wenigstens seriöse Recherche und tiefgründige Informationen drin.

Von Tilman Pietzsch am 11. September 2009, 14:13 Uhr veröffentlicht | 872 mal gelesen
Zuletzt bearbeitet am 11. September 2009, 20:47 Uhr
Thema: Gekleckse

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Kommentare

Geschrieben von Mario Gaa am 14. September 2009, 19:47 Uhr:


Auch wenn es dort weniger um die Hintergründe geht empfehle ich in an dieser Stelle "9-11 Die letzten Stunden im World Trade Center".

Zwei Brüder drehen eine Dokumentation über die New Yorker Feuerwehr und werden Augenzeugen des Geschehens. Teilweise sehr beklemmend aber sehr sehenswert. http://www.imdb.de/title/tt0312318/

Ansonsten noch eine Anekdote wie 9-11 auch die Werbung beeinflusst hat:
Ericsson hat kurz vor 9-11 Prospekte zum T39m ausgeliefert, zu sehen ein Paar auf einer Brücke, im Hintergrund die TwinTowers.

Bei der zweiten Auflage waren alle Bilder so beschnitten das die Twin Towers nicht mehr zu sehen waren...


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