

Vorbei die Zeiten, als angesichts nicht funktionierender Webseiten in Rage geratene Personen lediglich als Gelegenheitscholeriker galten.
Der IT- Manager etwa, der sein sündhaft teueres Notebook zu Schrott zerschlug, weil eine Webseite seine persönlichen Daten nicht verarbeiten wollte, ist nicht einfach wütend. Auch die oft beobachtete leichte Magenverstimmung mit begleitender Verbalentgleisung („Ich könnte gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte!“) sind Anzeichen eines nicht ausreichend beachteten Leidens.
Wenig bekannt, aber eindeutig erwiesen: bei einem derartigen physisch und psychisch abweichenden Verhalten handelt es sich um das folgenreiche Mauswut-Syndrom. An der Existenz des Krankheitsbildes darf seit 2005 kein Zweifel mehr bestehen.
Wissenschaftler des Social Issues Research Centre (SIRC) in Oxford stellten damals fest: Anders als krankhaft kann man die Summe der Symptome, die beim Hantieren mit ärgerlichen Webseiten auftreten, nicht bezeichnen. Um ihre These zu erhärten, schritten sie zur Tat und taten das, was Sozialwissenschaftler tun müssen, um glaubhaft zu sein: sie führten ein Experiment durch.
Ihre Probanden wurden mit Elektroden beklebt und solide verkabelt. Zuerst bekamen sie gut gestaltete und übersichtliche Webseiten zu sehen (Amazon, eBay, Wikipedia, British Airways ...). Dann kamen Webseiten mit Pop-ups, langen Ladezeiten, wild flackerndem Flash, chaotischem Layout, rätselhafter Navigation und kaputten Links auf den Bildschirm.
Die sichtbaren Folgen: wildes Herumgeklicke, Malträtieren der Maus bis zum Mäuseexitus, furioses verbales Danebenbenehmen. Die Messgeräte verrieten die physischen Korrelate: Erniedrigten Hautwiderstand infolge erhöhter Schweißabsonderung, deutlich beschleunigten Puls, erhöhte Muskelspannung und eine negativ veränderte elektrische Aktivität der Großhirnrinde.
Das klingt amüsant, und das ist es auch, bis zu einem gewissen Grad. Ob es irgendwann dazu führen wird, dass den Erzeugern nervender Webseiten ähnlich ergehen wird, wie Spielzeugherstellern, deren Produkte Rückstände von Chemikalien oder leicht verschluckbare Kleinteile enthalten?
Von Anna Fuhrmann am 10. August 2009, 11:05 Uhr veröffentlicht | 347 mal gelesen
Thema: Gekleckse
