Das Facebook-Daten-Disaster

Kaum zu glauben: Da geht das Thema Datensicherheit bei Social Networks seit Wochen durch die Deutsche Presse, doch Facebook steckt einfach den Kopf in den Sand. Anstatt einzulenken oder nachzubessern, besteht die einzige Reaktion des Unternehmens im Nichtreagieren.

Ich gehöre wohl zu den vielen Millionen Benutzern, die bei ihrer Anmeldung die Nutzungsbedingungen zwar per Mausklick akzeptiert, nicht jedoch richtig durchgelesen haben. Was ich bei Internet-Einkäufen grundsätzlich tue, habe ich hier grob fahrlässig vernachlässigt. Dabei stehen dort ziemlich beunruhigende Paragrafen:

Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“).


Das bedeutet im Klartext: Facebook kann Deine Daten, wozu auch Deine hochgeladenen Fotos gehören, für alle Zwecke nutzen, ohne dass Du informiert wirst oder gar ein Einspruchsrecht hast. Das bedeutet nicht nur, dass Deine Adressdaten und Telefonnummern verkauft werden dürfen, sondern auch, dass Deine Fotos gegebenenfalls genutzt und an anderer Stelle oder in anderem Zusammenhang öffentlich publiziert werden können.

Was das bedeutet, konnte man letzte Woche schon in einer Reportagesendung im Deutschen Fernsehen sehen: Dort wurden Profilfotos in negativem Sinn für Werbung missbraucht, so zum Beispiel das Foto eines nicht ganz taufrisch aussehenden Mädchens im Zusammenhang mit Alkohol.

In meinem Profil dementierte Facebook zwar heute, dass Fotos für solche Zwecke missbraucht würden, beschwichtigt mich aber damit, dass meine Fotos nur kontextbezogen genutzt würden. Das bedeutet zumindest, dass man bei Facebook nach wie vor gedenkt, Profilfotos möglicherweise für eigene Werbung zu nutzen.

Wie kommt man aber nun raus aus diesem Debakel? In den Nutzungsbedingungen steht zwar

Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht


doch in den Kontoeinstellungen gibt es nur einen Link „Konto deaktivieren“. Mag sein, dass ich zu kritisch bin, doch deaktivieren ist in meinen Augen etwas anderes als löschen. Es bedeutet, dass alle Daten nicht mehr aktiv aber noch gespeichert sind.

Da ich der windigen Bezeichnung „Konto deaktivieren“ misstraue, bleibt nur der umständliche Weg, alle Daten Stück für Stück zu löschen. Bei den Fotos geht das recht einfach. Bei personenbezogenen Daten bleibt stellenweise nichts weiter übrig, als sie nicht öffentlich zu machen, da man seinen Namen oder sein Geburtsdatum nicht entfernen kann. Als E-Mail-Adresse habe ich mir kurzerhand eine Mülleimer-Adresse angelegt und sie gegen meine bisherige Adresse ausgetauscht. Die Mülleimer-Adresse kann ich später wieder löschen und hoffen, dass Facebook meine alte Adresse nicht doch noch irgendwo gespeichert hat.

Nachdem ich alle Daten bestmöglich bereinigt habe, stehe ich vor der Frage: Soll ich nun das Konto noch „deaktivieren“ oder nicht? Ja, ich mache es. Und wenn auch nur, um Facebook zu zeigen, was ich von ihren Geschäftspraktiken halte. Und ganz unmissverständlich wähle ich bei der Bestätigung als Grund aus: Ich fühle mich bei Facebook nicht sicher.

Meine Befürchtungen haben sich im Übrigen bestätigt: Nach der Abmeldung erscheint eine Seite mit dem freundlichen Hinweis:

Dein Facebook-Konto wurde deaktiviert. Um dein Konto zu reaktivieren, melde dich mit deiner alten Anmelde-E-Mail-Adresse und deinem Passwort an. Du kannst die Seite dann wieder wie zuvor verwenden. Wir hoffen, dass du bald wieder zurückkommst.


Das bedeutet im Klartext: Ätsch, Deine Daten werden nicht gelöscht.

Von Tilman Pietzsch am 16. April 2010, 12:35 Uhr veröffentlicht | 167 mal gelesen
Zuletzt bearbeitet am 16. April 2010, 18:08 Uhr
Thema: Gekleckse

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