Bei der Frage stellt sich die Frage ...

... und dem Leser die Nackenhaare auf. Der neu gekürten Familienministerin entfuhr in einem Interview folgendes Prachtstück von einem Satz:

Bei der Frage des generellen Adoptionsrechtes für Homosexuelle stellt sich die entwicklungspsychologische Frage, inwiefern das Fehlen von Verschiedengeschlechtlichkeit einen Mangel für Kinder darstellt.


Mal abgesehen davon, in was für ein Fragengetümmel wir geraten sind: Der Satz ist ein wunderbares Beispiel dafür, was uns Nominalisierungen bescheren können. Jeder Bezug fehlt, Täter, Erleidende und Träger von Eigenschaften bleiben verhüllt, und sind somit den Interpretationskünsten des Lesers ausgeliefert.

Es stellt sich die Frage


Da kommt also die Frage daher und stellt sich. Wem? Der Ministerin? Uns? Der Entwicklungspsychologie? Den Homosexuellen? Den Kindern?

...inwiefern das Fehlen von Verschiedengeschlechtlichkeit einen Mangel für Kinder darstellt


Wem fehlt bitte die Verschiedengeschlechtlichkeit? Den Homosexuellen wird sie am allerwenigsten abgehen. Wer bleibt da übrig? Die Kinder. Umso mehr als sie ja diejenigen sind, die ja angeblich einen Mangel verspüren könnten. Den Kindern geht die Verschiedengeschlechtlichkeit ab - kein Wunder, denn ein Kind wird in den seltensten Fällen verschiedengeschlechtlich sein.

Oder spielt Frau Köhler auf die Verschiedengeschlechtlichkeit der Eltern an? Das halte ich für ausgeschlossen. Denn dann müsste ab sofort das Alleinerziehen eines Kindes unter die entwicklungspsychologische Lupe genommen und im Zweifelsfall wegen Mangel an Verschiedengeschlechtlichkeit ab sofort untersagt werden.

Quelle: Die Welt

Von Anna Fuhrmann am 06. Dezember 2009, 11:43 Uhr veröffentlicht | 463 mal gelesen
Themen: Gekleckse | Text

Kommentar schreiben


Kommentare


Noch keine Kommentare vorhanden.
Schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Kommentar schreiben